Tyrosin

Als notwendige Vorstufe bei der Synthese bestimmter Hormone und Neurotransmitter wie Adrenalin, Noradrenalin, Thyroxin, Dopamin und Melanin erfüllt Tyrosin eine wichtige Funktion. Die chemische Strukturformel des L-Tyrosins lautet HO-C6H4-CH2-CH(NH2)-COOH. Weil die Substanz nach ihrer Entdeckung (1846) erstmals in Casein nachgewiesen wurde, bekam die Aminosäure ihren Namen „Tyrosin“, der auf das griechische Wort „Tyros“ für Käse zurückgeht.

Tyrosin ist zwar per definitionem eine nichtessentielle Aminosäure, weil sie der Körper selbst synthetisieren kann, benötigt hierfür aber als Vorstufe die essentielle Aminosäure Phenylalanin, so dass eine ausreichende Menge Phenylalanin über die Nahrung zugeführt werden muss, um den Körper ausreichend mit Tyrosin zu versorgen. Es ist daher naheliegend, dem Körper auch biologisch aktives Tyrosin direkt über die Nahrung oder über Nahrungsergänzungsmittel zur Verfügung zu stellen.

Folgende Nahrungsmittel enthalten besonders viel – meist in Proteinen gebundenes - Tyrosin von mehr als 700 mg/100g, das nach einer enzymatischen Zerlegung der Proteine als freies L-Tyrosin verfügbar ist:

  • Sojabohnen (getrocknet)
  • Kürbiskerne
  • Schweinefleisch (roh)
  • Geflügelbrust (roh)
  • Lachs (roh)
  • Erbsen (getrocknet)

Andere Lebensmittel wie Weizenmehl, Walnüsse und Vollmilch enthalten ebenfalls Tyrosin in relevanten Mengen.

Wie wird Tyrosin synthetisch hergestellt?

Der wichtigste industrielle Herstellungsprozess für Tyrosin besteht in der Hydrolyse keratinhaltiger Proteine in saurem Milieu. In der Säure lassen sich die faserigen Eiweiße in ein Gemisch zerlegen, in dem fast alle der 23 bekannten proteinogenen Aminosäuren vorhanden sind. Wegen der Wasserunlöslichkeit von L-Tyrosin und L-Cystein bei einem definierten PH-Wert lässt sich aus dem Gesamtgemisch eine Fraktion isolieren, die nur L-Tyrosin und L-Cystein enthält. Die übrigen proteinogenen Aminosäuren sind wasserlöslich und können durch den Prozess quasi heraus gespült werden.

Wie können Sie Ihren täglichen Bedarf an Tyrosin decken?

Der Stoffwechsel der beiden Aminosäuren Tyrosin und Phenylalanin hängt eng zusammen, weil der Körper aus Phenylalanin Tyrosin synthetisiert. Wenn nicht genügend Phenylalanin aufgenommen wird, stockt die Tyrosinsynthese. Wenn die Aminosäuren Phenylalanin und Tyrosin im Verhältnis 60:40 vorliegen, gilt das als optimal für die biologische Wirksamkeit. Seitens der Weltgesundheitsorganisation der UNO, der WHO, wird der tägliche Bedarf an den beiden Aminosäuren als zusammengefasster Bedarf mit 14 mg pro kg Körpergewicht angegeben. Eine Person mit 85 kg Gewicht hat demnach einen täglichen Bedarf an Phenylalanin und Tyrosin von 14 mg x 85 = 1.190 mg.

Der Grundbedarf an Tyrosin (und Phenylalanin) kann sich bei chronischem Stress, bei Verletzungen und bei Leistungssport oder bei bekanntem Mangel in der Versorgung mit Aminosäuren steigern.

Bei Vorliegen einer Phenylketonurie (PKU), bei der ein Defekt des Enzyms Phenylalaninhydroxylase vorliegt, wodurch die Umwandlung des Phenylalanins in Tyrosin blockiert wird, darf auf keinen Fall Phenylalanin zusätzlich eingenommen werden. Die PKU ist eine genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung, die nicht heilbar ist, aber durch Einhaltung einer entsprechenden Diät mit phenylalaninarmer Nahrung als beherrschbar gilt. In diesem Fall ist der Bedarf an Tyrosin entsprechend höher. Ein Mehrbedarf an Tyrosin

Wegen der vielfältigen Funktionen des Tyrosins im Stoffwechsel für die Bildung wichtiger Neurotransmitter und anderer Hormone und Proteine wie Thyroxin, Insulin und Melanin, können besondere Lebenssituationen einen vorübergehenden oder längerfristigen Mehrbedarf an Tyrosin bedingen. Zur Deckung des Mehrbedarfs stehen Kapseln mit der L-, D-, oder DL-Form des Tyrosins zur Verfügung. Falls hauptsächlich die Umwandlung des Tyrosins in Neurotransmitter erforderlich und beabsichtigt ist, empfiehlt sich beispielsweise die D-Form.

Chronische Stresssituationen und muskelaufbauender Leistungssport

In chronischen Stresssituationen, die durch Verletzungen, Krankheiten oder auch durch Leistungssport entstehen können, schüttet der Körper vermehrt die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und weiterer Hormone aus, die den Körper auf Bewältigung der Situation vorbereiten.

Leistungssport, der dem Muskelaufbau dient, bedingt die Aktivierung von Wachstumshormonen, an deren Vorstufen Tyrosin ebenfalls beteiligt ist. Bodybuilding, als Leistungssport betrieben, stellt nicht nur eine physische Herausforderung dar, sondern aktiviert auch zur Bewältigung das komplexe Belohnungssystem im Gehirn. Das Belohnungssystem arbeitet mit einem Mix an Hormonen, das z. B. Schmerzempfindungen unterdrücken und über Dopamin und andere Neurotransmitter Glücksgefühle erzeugen kann.

Die Zuführung zusätzlicher Mengen an Tyrosin in einer ausgewogenen und auf den individuellen Bedarf abgestimmten Sportnahrung kann den Körper unterstützen, um den vermehrten Bedarf auszugleichen. Die erwünschte Fitness besteht nicht nur aus guter physischer Konstitution, sondern auch in einer stabilen psychischen Verfassung.

Psychische Belastungen und Phenylketonurie

Situationen, die sich in dauerhaften psychischen Belastungen äußern, bedingen einen Mehrbedarf an Neurotransmittern wie Dopamin, Serotonin und anderer Botenstoffe. In den Fällen, in denen ein Mangel an L- oder D-Tyrosin die Biosynthese der Neurotransmitter behindert, kann die Zuführung zusätzlicher Mengen an Tyrosin eine vermehrte Bereitstellung der Botenstoffe unterstützen. Der Vorgang wird besonders wichtig bei Vorliegen der erblich bedingten Phenylketonurie, bei der die Bildung von Tyrosin aus Phenylalanin gestört ist und deshalb Tyrosin quasi essentiell wird und dem Körper unbedingt direkt zugeführt werden muss.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Weitere Beiträge zu dieser Kategorie